Globalisierung

 

Der reiche Norden treibt die Globalisierung voran, die Schwellenländer müssen folgen, auf Gedeih und Verderb. Diese alte Maxime gilt nicht mehr. Der Süden ist selbst zum Treiber der Globalisierung geworden.

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Boomland Angola

In Angola herrscht Goldgräberstimmung. Während in Europa die Arbeitslosigkeit unaufhörlich steigt, werden Fachkräfte in Afrikas Boom-Land knapp. Der größte Arbeitgeber kommt dabei nicht aus dem Land selbst, auch nicht aus China, sondern aus Brasilien. Der Minenkonzern Odebrecht beschäftigt dort rund 30.000 Menschen – darunter immer mehr Portugiesen. Wegen der Euro-Krise finden sie in ihrer Heimat keinen Job – und heuern in der Ex-Kolonie an. Willkommen in der neuen Weltwirtschaft.

In Angola lassen sich die Spuren einer sich wandelnden globalen Wirtschaftsordnung ablesen. Der Ausbruch der Finanzkrise 2007 hat den Aufstieg der Schwellenländer rasant beschleunigt und zugleich die Gesetze der Globalisierung verändert. Wie Fußfesseln haben sich erst die US-Finanzkrise, dann die Euro-Schuldenkrise um viele Industrieländer gelegt. Zugleich haben die Schwellenländer die globalen Schockwellen dieser Krisen besser weggesteckt..

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Das lässt sich mittlerweile in Zahlen ablesen: Asiens Schwellenländer dürften zusammen laut Internationalem Währungsfonds in diesem Jahr erstmals einen größeren Anteil an der weltweiten Wirtschaftsleistung haben als die Eurozone. 2013 gilt dies dann sogar für die sieben wichtigsten Schwellenländer Asiens.

Seit 2007 verloren die USA und die Eurozone insgesamt 8,5 Prozentpunkte des Anteils am weltweiten Bruttoinlandsprodukt. Zugleich gewannen Asiens große Schwellenländer 6,5 Prozentpunkte. Die Weltwirtschaft verlagert sich. Schon jetzt sind Impulse aus Fernost in der ganzen Welt zu spüren.

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China rückt vom Exportmodell ab

Im Zentrum der Entwicklung steht die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt: Die Nachfrageausfälle im Westen haben China die Verwundbarkeit seines Exportmodells vorgeführt. Peking treibt nun den Umbau der Wirtschaft voran, weg von Billigexporten, hin zu Binnenkonsum mit steigenden Löhnen. Die globalen Folgen dieser Entwicklung werden langsam sichtbar. Das große Versprechen eines Mega-Absatzmarkts in China beginnt sich einzulösen.

In der Folge produzieren Fabriken in China zunehmend für den Heimatmarkt, weniger für den Export in den Westen. Billigproduktion wandert derweil in ärmere Länder ab. Dadurch könnten die globalen Warenströme ihre Richtung ändern. China und andere große Schwellenländer dürften immer mehr importieren. Eine Chance für die Entwicklungsländer – so wie Angola. Deren Handel mit den Schwellenländern wächst dramatisch. Die Industrieländer bleiben dabei immer öfter außen vor.

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och vor einigen Jahren galt: Schuldenkrisen und Staatsbankrotte sind ein Problem der Schwellenländer – Industrieländer sind nicht davon betroffen. Heute hat sich das radikal gedreht: Während Industrieländer in der Schuldenkrise versinken, sind die Länder mit den besten Bilanzen heutzutage Schwellenländer.

Selbst in Lateinamerika, jahrzehntelang ein Schauplatz von Schuldenkrisen, sind die Staatsfinanzen heutzutage vielerorts solider als in vielen Industrieländern: Chile verfügt mit gut elf Prozent der Wirtschaftsleistung über einen der geringsten Schuldenstände der Welt – 1990 lag er noch bei fast 80 Prozent. Und selbst das einstige Dauersorgenkind Mexiko schlägt sich mit rund 50 Prozent vergleichsweise gut. Einige Länder wie Russland profitieren von enormen Rohstoffvorkommen. In anderen Ländern wie Indonesien halfen Reformen und hohes Wachstum. Große Devisenreserven machen diese Länder nun zu den Neureichen der Weltwirtschaft.

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Die Direktinvestitionen fließen

Vorbei die Epoche, als Schwellenländer nur als Investitionsempfänger wahrgenommen wurden. Ihr Reichtum macht sie in Zeiten verschuldeter Industriestaaten zu globalen Financiers. Und das nicht nur als Käufer von Staatsanleihen: Firmen und Staatsfonds investieren zunehmend in der entwickelten Welt. Aus China – inklusive Hongkong – kommen heute bereits die drittmeisten ausländischen Direktinvestitionen (FDI). Laut der Unctad investierten Unternehmen aus Schwellenländern 2010 weltweit 21 Prozent mehr als noch im Jahr zuvor.

2011 gab es wegen der Euro-Krise einen Dämpfer, Europa verlor als Anlageziel an Attraktivität. Auf Dauer erwarten Experten aber eine Fortsetzung des Trends. Zugleich nehmen sogenannte Süd-Süd-Investitionen zu: Viele Firmen aus China oder Brasilien stecken ihr Geld mittlerweile lieber in andere Schwellenländer als in den Norden. 2010 floss erstmals mehr als die Hälfte aller weltweiten FDI-Ströme in Schwellen- und Entwicklungsländer.

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Investieren in Afrika – das bedeutete lange Zeit entweder westliche Entwicklungshilfe oder chinesische Rohstoffausbeutung. Seit einiger Zeit ändert sich das: Konzerne aus Brasilien, Indien oder der Türkei nehmen ärmere Entwicklungsländer ins Visier – zur Verlagerung von Billigstandorten, aber auch, um die dort ebenfalls wachsenden Mittelschichten zu bedienen. Während in China und anderen asiatischen Ländern die Löhne steigen, wandert die Billigproduktion weiter ab: nach Bangladesch, Pakistan oder Afrika. Von dort wiederum wird heute viel in reichere Schwellenländer exportiert, nicht mehr nur in den Westen.

Dabei steht Afrika für die Zukunft. In demografischer Hinsicht, im Vergleich zu alternden Gesellschaften in China oder Russland. Und im Hinblick auf die Preise: Afrikas Arbeitskosten sind die niedrigsten der Welt und nur halb so hoch wie in China. Inzwischen beginnen sogar afrikanische Firmen zu expandieren: Ihre ausländischen Direktinvestitionen wachsen seit 2002 doppelt so schnell wie jene aus Asien und Lateinamerika.

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Der neue Süd-Süd-Club

Spätestens seit Chinas Aufstieg zum Exportweltmeister sind viele Schwellenländer als Ausfuhrnationen bekannt. Dabei bleiben die aufstrebenden Handelsmächte zunehmend unter sich. Der sogenannte Süd-Süd-Handel wächst dramatisch – laut Unctad doppelt so schnell wie der Handel zwischen Norden und Süden. Zwischen 2001 und 2010 legte er um 19 Prozent pro Jahr zu, gegenüber einer Rate beim Welthandel insgesamt von 12 Prozent.

Speziell nach der Finanzkrise 2008 hat sich der Süd-Süd-Handel laut Unctad deutlich stärker erholt als der Welthandel insgesamt: 2009 und 2010 lag der Anstieg bei 30 Prozent. Im Jahr 2010 waren bereits an einem Viertel der weltweiten Warenströme die Industrieländer nicht mehr beteiligt. Speziell zwischen den Bric-Staaten – Brasilien, Russland, Indien und China – werden die Handelsverflechtungen immer enger. Noch in diesem Jahrzehnt dürfte der Handel zwischen den Schwellenländern für diese Länder wichtiger werden als der Austausch mit Industrieländern, prognostiziert die Weltbank.

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Einst galt für die Weltwirtschaft: Wenn die USA niesen, bekommt der Rest der Welt einen Schnupfen. Mittlerweile gilt das ebenso für Nieser aus China. Die Erholung nach der Finanzkrise 2008 hat dies deutlich gezeigt: Stärker als je zuvor waren Schwellenländer, allen voran China, die maßgeblichen Impulsgeber des Booms, besonders hierzulande. Deutsche Auto- und Maschinenbauer profitierten von der Nachfrage aus Fernost.

Zwar gehen immer noch viel mehr deutsche Exporte in europäische Nachbarländer. Doch gerade bei deutschen Großkonzernen liegt der Anteil der Verkäufe in Emerging Markets oft bei über 50 Prozent. An ihnen hängen viele Zulieferer und Dienstleister. Das verstärkt indirekt den Effekt einer Abkühlung in China, wie eine Studie des Internationalen Währungsfonds und die weltweite Abschwächung im Jahr 2012 gezeigt haben. Mit dem Wandel Chinas und anderer Länder zu Konsummärkten dürfte diese Tendenz noch stärker werden. Ihr Anteil am Welt-BIP steigt, ebenso wie ihre Verflechtung untereinander.

Drastischer Anstieg im Binnenkonsum

Lange folgte die Globalisierung einem einfachen Muster: Westliche Firmen bauten Fabriken in Asien und andernorts, um dort billiger für ihre Heimatmärkte in den USA und Europa zu produzieren. Seit der Finanzkrise vollzieht sich jedoch ein grundlegender Wandel. Zunehmend produzieren die Firmen dort für die wachsenden lokalen Absatzmärkte in China oder Indonesien – und nicht mehr für den Rückexport in den Westen.

Das liegt auch daran, dass die Löhne in Ländern wie China mittlerweile steigen. Die Nachfrageeinbrüche seit 2007 in den Absatzmärkten USA und Europa haben den Prozess beschleunigt. Speziell China wandelt sich dabei von einer Produktions- zu einer Konsumwirtschaft. Doch auch andernorts wachsen die konsumstarken Mittelschichten. Nicht nur in Asien, auch in Lateinamerika und Afrika wächst die Zahl der Menschen mit Mittelklasse-Einkommen rasant.

Quelle: Financial Times Deutschland

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Veröffentlicht am 5. Dezember 2012, in Geldgurus. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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